Mundgeruch (Foetor ex ore, Halitosis)

by Claudia Hautumm pixelio.de

Unangenehm riechender Atem ist ein weit verbreitetes Phänomen, über das dennoch nicht gern gesprochen wird. Dies ist deshalb fatal, weil den meisten Betroffenen selbst nicht bewusst ist, dass sie Mundgeruch haben: Der menschliche Geruchssinn reagiert fast ausschließlich auf Veränderungen in der Zusammensetzung und / oder Konzentration eines Duftstoffes, nicht jedoch auf gleich bleibende Gerüche. So ist z.B. auch erklärlich, warum man sein selbst getragenes Lieblingsparfum nach kurzer Zeit praktisch nicht mehr wahrnimmt, während es andere Personen als heftige Duftwolke riechen.
Mundgeruch ist an sich keine Krankheit, sondern zumeist (etwa 90% aller Fälle) eine Folge mangelhafter Mundhygiene oder auch Symptom einer Erkrankung im Mund-Rachen-Raum (lokale Ursachen), in seltenen Fällen (ca. 10%) Symptom verschiedener Allgemeinerkrankungen (systemische Ursachen). Mangelnde Mund- oder Zungenhygiene bedeutet, dass durch unterlassenes oder nur sporadisches Zähneputzen bzw. Zungenreinigen eine Zersetzung von im Mundraum verbliebenen Speiseresten erfolgt, wobei jene übelriechenden Schwefel- und Fettsäureverbindungen entstehen. Nach einem deftigen Essen mit Zwiebeln und Knoblauch riecht zunächst mal jeder ungenehm aus dem Mund. Richtig übel wird es jedoch, wenn keine ausreichende Reinigung des Mundraumes erfolgt: Ein weiterer Geruchsherd ist nämlich die Zungenoberfläche, auf der sich massenhaft Bakterien ansiedeln können, deren Abbauprodukte ebenfalls übelriechend sind. Rauchen und Alkoholgenuss fördern die Entstehung derartiger Substanzen zusätzlich. Aber auch Erkrankungen der Zähne (unbehandelte Karies), des Zahnhalteapparates (Paradontitis mit Bildung tiefer Zahnfleischtaschen), der Mundhöhle (Pilzinfektionen, Abszesse, Tumore) oder der Nasennebenhöhlen (Sinusitis) können Ursache für Mundgeruch sein.
Hat der schlechte Atem eine systemische Ursache, ist der Geruch zumeist auch bei geschlossenem Mund wahrnehmbar, also beim Ausatmen durch die Nase. Dies kann bedingt sein durch
– Magenerkrankungen (Gastritis, Geschwür, chronischer Reflux, bakterielle Infektion);
– Stoffwechselerkrankungen (Diabetes mellitus, Leberzirrhose, Nierenfunktionsstörung);
– Lungenerkrankungen (Lungenetzündung, eitrige Bronchitis, Lungenabszess).
Ist das Geruchsproblem einmal bekannt, kann schon der Besuch beim Zahnarzt Aufschluss darüber geben, ob die Ursache in mangelhafter Mundhygiene oder einer Erkrankung im Mund-Rachen-Raum liegt. Kann der Zahnarzt eine lokale Ursache ausschließen, ggfs. unter Zuhilfenahme eines Halimeters, mit dem der Anteil von typischen Schwefelverbindungen in der Atemluft bestimmt werden kann, ist der Gang zum Internisten der nächste richtige Schritt.
Die dauerhafte Beseitigung des lokal entstehenden Mundgeruchs setzt eine konsequent durchgeführte Mundhygiene voraus: Regelmäßiges gründliches Zähneputzen, am besten nach jeder größeren Mahlzeit, Verwendung von Zahnseide und / oder Interdentalbürstchen zur Reinigung der schwer zugänglichen Zahnzwischenräume, Verwendung eines Zungenschabers zur Entfernung der bakteriellen Beläge auf der Zungenoberfläche, Mundspülungen (Chlorhexidin, Salbeitee, verdünnte Wasserstoffperoxidlösung). Generell ist reichliche Flüssigkeitszufuhr empfehlenswert, hier besonders Schwarztee, da bestimmte Inhaltsstoffe des Tees das Bakterienwachstum im Mundraum mindern. Sind Karies und / oder Parodontitis die Ursachen, müssen diese Erkrankungen therapiert werden. Ist eine körperliches Leiden die Ursache des Mundgeruchs, richtet sich das Augenmerk auf deren erfolgreiche Behandlung. Bei akuten Erkrankungen sollte der Mundgeruch mit deren Ausheilung von selbst verschwinden. Bei chronischen Leiden (Diabetes etc.) kommt es auf die optimale Behandlung dieser Grunderkrankung an.

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