Hier erscheint zunächst einmal eine Begriffsklärung sinnvoll: Parodontose ist die veraltete, gleichwohl noch häufig gebrauchte Sammelbezeichnung für entzündliche Erkrankungen des Zahnhalteapparates (Parodontium), auch Zahnbett genannt. Im medizinischen Sinn werden heute mit der Endung –ose Prozesse, die durch Gewebsschwund gekennzeichnet sind, benannt. Entzündliche Erkrankungsprozesse hingegen haben die Endung –itis. Demnach müsste eine Parodontose eine Zerstörung des Zahnbettes bezeichnen, bei der die Erkrankung ohne Entzündungserscheinungen allein vom Knochengewebe ausgeht. Derartige Fälle sind im medizinischen Alltag jedoch praktisch unbekannt, Erkrankungen des Zahnbettes sind entzündlicher Natur, daher lautet die korrekte Bezeichnung Parodontitis. Die ebenfalls noch häufig anzutreffenden Schreibweisen Paradontose bzw. –itis sind heute unüblich ((ganz FALSCH ist diese Bezeichnung aus sprachlichen Gründen nicht)).
Parodontitis bezeichnet also eine entzündliche Erkrankung des den Zahn umgebenden Gewebes. In der zweiten Lebenshälfte stellt Parodontitis den häufigsten Grund für den Verlust eines oder mehrerer Zähne dar. Die Erkrankung beginnt üblicherweise jenseits des 35. Lebensjahres mit einer Zahnfleischentzündung (Gingivitis), die sich unbehandelt zur Parodontitis ausweiten kann. Auslöser der Entzündungsprozesse sind bakterielle Zahnbeläge (Plaque), die üblicherweise die Folge einer unzureichenden Mundhygiene und / oder falscher Lebensgewohnheiten sind (Zuckerkonsum, Rauchen etc.). Aber auch mechanische Reize wie ein schlecht eingepasster Zahnersatz oder Kaufunktionsstörungen können eine Parodontitis verursachen, ebenso kann die Entzündung des Zahnhalteapparates eine Begleiterscheinung chronischer Krankheiten wie HIV-Infektion, Diabetes oder verschiedener Stoffwechselstörungen sein. Ein weiterer Aspekt sind die genetische (erbliche) Vorbelastung und der allgemeine Zustand des Immunsystems.
Da die Erkrankung lange schmerzfrei verläuft und Anzeichen wie gelegentliches Zahnfleischbluten oft nicht beachtet werden, werden die Betroffenen meist erst dann beim Zahnarzt vorstellig, wenn der Krankheitsverlauf schon weit fortgeschritten ist: Die Bakterien der Zahnbeläge, die ursprünglich nur die sichtbare Zahnoberfläche besiedelten, haben sich inzwischen tief unter das Zahnfleisch bis zur Zahnwurzel ausgebreitet, das Zahnfleisch ist dauerhaft entzündet und gelockert, tiefe Taschen sind entstanden. Durch diesen chronischen Entzündungsprozess kann sich der Kieferknochen im betroffenen Bereich zurückbilden, bis sich der Zahn selbst lockert und schließlich ausfällt.
Die zahnärztliche Therapie der Parodontitis zielt also stets darauf ab, den chronischen Entzündungsprozess zum Stillstand zu bringen, um weiteren Abbau des Zahnhalteapparates zu verhindern. Bei der Erstuntersuchung prüft der Zahnarzt den Zustand des Zahnfleisches durch verschiedene Tests (Parodontaler Screening Test, kurz: PSI), bestimmt die bakterielle Zusammensetzung der Zahnbeläge und begutachtet ggfs. schon vorhandene Vertiefungen zwischen Zahnfleisch und Zahn (Taschen) auf deren Ausprägung. Zusätzliche kann eine Röntgenaufnahme sinnvoll sein, um etwaigen Abbau der Knochensubstanz erkennen zu können. Die eigentliche Behandlung beginnt mit einer gründlichen Reinigung, um die Zähne bis in den letzen Winkel von bakteriellen Belägen zu befreien. Zusätzlich ist die aktive Mithilfe des Patienten gefordert: Er erhält genaue Anweisungen zur Zahnpflege zuhause, die konsequent durchgeführt werden muss. Zeigen sich nach dieser Vorbehandlung noch tiefe Zahnfleischtaschen (über 5mm), werden diese unter lokaler Betäubung mit verschiedenen zahnärztlichen Instrumenten gesäubert und die Gewebsoberfläche geglättet, um Bakterien künftig weniger Angriffsfläche zu bieten. Zusätzlich kommen antibakterielle Spüllösungen zum Einsatz, die der Zahnarzt direkt in die Vertiefungen einbringt.
Bei weit fortgeschrittener Parodontitis kann es erforderlich sein, die betroffenen Bereiche chirurgisch zu eröffnen, um an tiefliegende Entzündungsherde heran zu kommen. Der Zahnarzt schneidet das Zahnfleisch mit dem Skalpell ein, um sich Zugang zu verschaffen. Bei Bedarf kann er auch Ersatz-Knochengewebe zur Verfüllung von Hohlräumen einbringen. Diese Operation ist sehr effektiv, jedoch auch mit einem Verlust des Zahnfleischsaumes an den betreffenden Stellen verbunden, so dass freiliegende, oft schmerzempfindliche Zahnhälse zurückbleiben. Es gibt mittlerweile auch die Möglichkeit der gesteuerten Geweberegeneration, wobei versucht wird, das geschädigte bzw. verloren gegangene Gewebe des Zahnhalteapparates wieder aufzubauen. Ebenfalls hat in den letzten Jahren die Lasertechnologie Einzug in die zahnärztliche Praxis gehalten, mittels derer eine punktgenaue und schonende Säuberung der Zahnfleischtaschen möglich ist. Auch als Operationsinstrument kommt Laserlicht vermehrt zum Einsatz, das betroffene Gewebe muss nicht großflächig beschnitten sondern kann millimetergenau verdampft werden.
Um den Behandlungserfolg dauerhaft zu sichern, ist eine lebenslange, kontinuierlich durchgeführte Pflege von Zähnen und Zahnfleisch notwendig. Die aktive Mithilfe des Patienten durch effektives Putzen und Spülen zuhause wird ergänzt durch regelmäßige Kontrollbesuche beim Zahnarzt, mindestens zweimal jährlich, um ein Wiederaufflammen des destruktiven Entzündungsprozesses zu verhindern.