Das Phänomen der meist unbewusst angespannten Kiefermuskulatur, das sich durch Zähneknirschen oder Zähnepressen zeigt, fällt in den Bereich sogenannter Parafunktionen des Kausystems. Genau wie beim Lippen- oder Zungenpressen oder Nägelkauen erfüllt die Muskelaktivität hier keinen „sinnvollen“ Zweck (wie etwa das Zerkleinern von Nahrung), sondern hat ausschließlich negative Folgen: Die Beisskraft, die beim Zähneknirschen wirkt, kann das Zehnfache der zur Nahrungszerkleinerung aufzuwendenden Kraft betragen und schädigt über kurz oder lang durch Substanzabtrag oder Brüche die Zähne selbst, aber ebenso die Bestandteile des Kiefergelenks und die Kaumuskulatur. Zudem sind dauernde Verspannungen und Verhärtungen der Muskulatur im Kopf-Hals-Bereich mit Kopf-, Gesichts-, Nacken- und selbst Rückenschmerzen möglich.
Die Ursachen für das Auftreten von unbeabsichtigtem Zähneknirschen sind teilweise erforscht; so scheint der Hauptgrund psychischer Natur zu sein: Emotionaler Stress im Beruf oder sozialem Umfeld, dem der Betroffene tagsüber ausgesetzt ist und der typischerweise nachts verarbeitet wird, meist in Phasen leichteren Schlafes (sog. REM-Phasen). Als weitere Ursachen kommen auch suboptimal eingepasster Zahnersatz (Kronen, Brücken, Prothesen) sowie Kieferfehlstellungen und orthopädische Probleme in Betracht. Eine solche nächtliche Zähneknirschphase kann bis zu 45 Minuten andauern und stellt, wie heftiges Schnarchen, für in der Nähe schlafende Personen eine erhebliche Störung ihrer Nachtruhe dar, während der Betroffene selbst davon meist nichts bemerkt.
Für die effektive Therapie des ungewollten Zähneknirschens sollte man sich nach einem auf diesem Gebiet spezialisierten Zahnarzt umsehen, ((DOCH!!)) Der Zahnarzt selbst wird zunächst untersuchen, inwieweit die Zahnsubstanz oder der Zahnhalteapparat schon durch das Zähneknirschen in Mitleidenschaft gezogen wurden und ob eine Fehlstellung des Kiefers bzw. eine Fehlfunktion des Kiefergelenks vorliegt. Als erste Sofortmaßnahme kann der Zahnarzt eine sogenannteSchiene anpassen, die vor dem Schlafengehen auf die Zahnreihen gelegt wird und die Kräfte der nächtlichen Beissphasen abmildert. Dies ist jedoch eine rein symptomatische Behandlung, die dem Problem nicht ursächlich beikommt. Ein Zahnarzt, der mit der Thematik wirklich vertraut ist, wird eine kombinierte Behandlung empfehlen, an der auch ein Physiotherapeut (Übungen zur Muskelentspannung) und / oder Experten für psychische Entspannungsübungen (Biofeedback, autogenes Training, Gruppentherapie etc.) beteiligt sind. Der spezialisierte Zahnarzt sollte über ein entsprechendes Netzwerk verfügen.